Hervorgehoben

***Veröffentlichung zu Vorfällen sexualisierter Gewalt an der Uni Bielefeld***

English below

An der Uni Bielefeld wurden auf zwei verschiedenen Frauenklos Vorrichtungen gefunden, die dazu dienen die Nutzer*innen ohne ihr Wissen zu beobachten oder zu filmen.

Der aktuellste Vorfall ist aus dem letzten Jahr. Bekannt geworden ist er durch einen Post auf der Plattform „Jodel“. Nachfolgend die uns bekannten Details:

Betroffen ist eine Toilette im Unihauptgebäude in V0-127. Dort wurde auf dem Frauenklo ein Türspion von einer Kabine durch die Wand in einen dahinterliegenden Sanitärraum gefunden. Wir wissen, dass das Bedrohungsmanagment der Uni Bielefeld seit 2019 davon weiß und ihnen bereits 2018 ein ähnlicher Fall bekannt war. 2018 handelte es sich um eine Toilette im Großraumklo am Infopunkt in der Unihalle. Dieses Mal führte der Türspion von der letzten in die vorletzte Kabine, er wurde durch eine Studentin entdeckt und zur Anzeige gebracht. *

Bei beiden Vorfällen ist unklar, aber nicht auszuschließen, ob tatsächlich Videoaufnehmen gemacht wurden. Aber auch unabhängig davon ob Aufnahmen entstanden sind oder eine Person auf der anderen Seite der Türspione saß, ist das ein sexistischer Angriff die Nutzer*innen.

Das Rektorat will von den Vorfällen nichts gewusst haben. In beiden Fällen wurde Anzeige erstattet und die Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen. Wir bezweifeln, dass das Rektorat davon nichts mitbekommen hat. Selbst wenn das Rektorat behauptet erst im März diesen Jahres durch Student*innen in Kenntnis gesetzt worden zu sein, hat es weiterhin dafür gesorgt, dass potenziell Betroffenen Informationen vorenthalten werden. Stattdessen werden Menschen, die handeln wollen, ausgebremst und hingehalten.

Entzieht sich das Rektorat seiner Verantwortung, handeln wir!

Wir können und werden uns solchen Machtstrukturen nicht unterordnen!

Wir nehmen nicht hin, dass sexualisierte Gewalt und sexistische Grenzüberschreitungen jeglicher Art unter den Teppich gekehrt, Betroffene zum Schweigen aufgefordert werden und die Universität versucht die Vorfälle zu vertuschen so lange sie kann.

Solche Zustände sind nicht tragbar, sie nehmen allen potenziell Betroffenen jegliche Möglichkeit handlungsfähig zu sein und sich zu schützen.

Deshalb entscheiden wir, dass Alle jetzt informiert werden und nicht erst dann wenn es dem Rektorat in den Kram passt!

Wir sind wütend!

Wir werden den Status quo nicht hinnehmen und uns dagegen organisieren!

Alles weitere wird auf www.klosohnekamera.wordpress.com zu finden sein!

Wir bitten alle Leser*innen diesen Flyer weiterzuverteilen, zu photographieren und über all ihre Kanäle zu verbreiten! Wir bitten die Presse darüber zu berichten!

Benötigst du emotionalen Beistand oder psychologische Beratung, dann sind Beratung stellen ebenfalls auf dem Blog.

*Leider hat es in der ersten Veröffentlichung einen Dreher in den Jahreszahlen geben. Dieser wurde nun korrigiert und ist in der aktuellen Version nicht mehr zu finden. Wir entschuldigen uns vielmals bei den Betroffenen, dass uns dieser Fehler unterlaufen ist! An dem strukturellen Problem, das diesen Vorfällen und dem Schweigen der Unileitung zugrunde liegt ändert diese Verwechslung jedoch nichts.


***Publication on incidents of sexualized violence at the University of Bielefeld***

At the University of Bielefeld, devices were found in two different women’s toilets, which serve to observe or film the users without their knowledge.

The most recent incident is from last year. It became known through a post on the platform „Jodel“. Below are the details known to us:

Affected is a toilet in the main building of the university in V0-127, where a door viewer was found on the women’s toilet from a cabin through the wall into a sanitary room behind it. We know that the threat management of the University of Bielefeld has known about this since 2019 and that they were already aware of a similar case in 2018. In 2018, it was a toilet in the large tiolet at the info point in the Unihalle. This time the door viewer led from the last to the next-to-last cubicle, it was discovered by a student and reported to the police.*

In both incidents it is unclear, but not impossible, whether video recordings were actually made. But also independent of whether recordings were made or a person was sitting on the other side of the door viewers, this is a sexist attack on the users.

The rectorate claims to have known nothing about the incidents. In both cases, charges were filed and the criminal investigation department started investigations. We doubt that the rectorate did not know about it.

Even if the Rectorate’s claims to have been informed by students only in March of this year were correct, it has continued to ensure that information is withheld from those potentially affected. Instead, people who want to take action are slowed down and held up.

If the Rectorate evades its responsibility, we will act!

We cannot and will not subordinate ourselves to such power structures!

We do not accept that sexualized violence and sexist border crossings of any kind are swept under the carpet, that those affected are called upon to remain silent and that the university tries to cover up the incidents as long as it can.

Such conditions are not acceptable, they deprive all potentially affected persons of any possibility to act and protect themselves.

Therefore, we decide that everyone should be informed now and not only when it suits the Rectorate!

We are angry!

We do not accept the status quo and organize against it!

Everything else will be found on http://www.klosohnekamera.wordpress.com!

We ask all readers* to redistribute this flyer, take pictures and spread it through all their channels! We ask the press to report about it!

If you need emotional support or psychological counseling, you can also find counseling on the blog.

*Unfortunately there was a twist in the year numbers in the first release. This has now been corrected and can no longer be found in the current version. We apologize very much to the people concerned that we made this mistake! However, this confusion does not change the structural problem underlying these incidents and the silence of the university management.

Mail des Rektorats an alle Studierende vom 06.03.2020

ENGLISH VERSION BELOW

Liebe Studierende, liebe Beschäftigte,

in den vergangenen Monaten ist das Thema der verdeckten Kameras vermehrt in der Öffentlichkeit aufgekommen, unter anderem durch eine Reportage zu diesem Thema. Neben Fällen auf Festivaltoiletten und -duschen und in einer Bielefelder Privatwohnung sind mittlerweile auch Fälle an deutschen Universitäten publik geworden: Im „Studihaus“ der Universität Trier wurde Anfang Dezember 2019 eine Kamera auf einer Toilette entdeckt. Diese Kameras können sehr klein sein und unauffällige Verstecke haben.

Universitäten sollen ein Ort sein, an dem sich alle ihre Mitglieder, Angehörigen und Besucher*innen sicher fühlen können und an dem ihre Privatsphäre geschützt ist.

Aus diesem Grund ist es dem AStA und dem Rektorat ein Anliegen, alle darüber zu informieren und Schutzmaßnahmen zu treffen. Sichtkontrollen in allen besonders geschützten Bereichen werden täglich von den Reinigungsfirmen bzw. vom Sicherheitsdienst durchgeführt und dokumentiert. Auch der Hausservice und die Handwerker*innen sollen sensibilisiert werden.

Aktuell sind hier an der Universität Bielefeld keine Vorfälle bekannt. Wenn Ihnen allerdings etwas auffallen sollte, wie zum Beispiel eine verdeckte Kamera, melden Sie sich bitte wie bei allen Notfällen bei der Leitwarte (www.uni-bielefeld.de/bedrohliche-situationen), die alles Weitere veranlassen wird.

Mit freundlichen Grüßen,

Rektor                                                                         Der AStA der Universität Bielefeld

Prof. Dr.-Ing. Gerhard Sagerer

Dear students, dear employees,

in recent months the topic of „hidden cameras“ has increasingly come up in public, among other things through a report on this topic. In addition to cases on festival toilets and showers and in a private apartment in Bielefeld, cases at German universities have also become public: In the „Studihaus“ of Trier University a camera was discovered in a toilet in December 2019. These cameras can be very small and have inconspicuous hiding places.

Universities should be a place where all their members and visitors can feel safe and where their privacy is protected.

For this reason, the AStA and the Rectorate are concerned to inform everyone and take protective measures. Visual checks in all specially protected areas are carried out and documented daily by the cleaning companies or security services. Further services are also to be sensitized.

Currently, there are no known incidents here at Bielefeld University. However, if you should notice anything, such as a hidden camera, please contact the central control (www.uni-bielefeld.de/threatening-situations), which will take care of everything else.

Yours sincerely,

Rektor                                                                                     The AStA of Bielefeld University
Prof. Dr.-Ing. Gerhard Sagerer

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